Vita

Ich interessiere mich seit jeher für unendlich viele verschiedene Dinge und liebe es, Verknüpfungen zwischen scheinbar unvereinbaren Bereichen aufzudecken und so zu völlig neuen Erkenntnissen zu kommen. Und so ist mein beruflicher Werdegang interdisziplinär – rund um die zentrale Fragestellung, wie wir Menschen miteinander kommunizieren und interagieren.

Erststudium: M.A. Neuere Anglistik/ Amerikanistik, Ältere Anglistik, Allgemeine Sprachwissenschaft
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

In der Schule hat es mich immer massiv gewurmt, dass ich in den Fremdsprachen gute Noten bekam, wenn es um freies Reden oder Schreiben ging, aber in Vokabeltests am laufenden Band Fünfer kassierte. Naheliegend wäre die Erklärung gewesen, dass ich als erstes Mitglied meiner Familie, das überhaupt ein Gymnasium besuchte, schlichtweg schlechte Voraussetzungen mitbrachte und wenig Unterstützung bekam. Ich vermutete jedoch, dass die Antwort darauf wohl eher im Gehirn zu finden sei – also in der Erforschung der zugrunde liegenden Strukturen und Funktionen.

Wie schafft es dieser graue Klumpen zwischen unseren Ohren, dass wir nicht nur stetig Neues lernen, sondern darüber auch noch miteinander in Kontakt treten können?

Im Studium fand ich Teile der Antwort in der Neuro-, Psycho- und Soziolinguistik sowie in der Forschung zum Fremdsprachenerwerb und zur Fremdsprachendidaktik. (Dass ich in diesem Studium auch noch Literatur von Beowulf bis zur Postmoderne zu lesen bekam, war ein dicker Bonus, der einfach Spaß machte.)

Andere Teile der Antworten auf meine Ursprungsfrage fand ich beim Ausprobieren verschiedener Ansätze in den Sprachkursen, die ich ab meinem dritten Semester unterrichtete. Nach dem Studienabschluss baute ich meine freiberufliche Tätigkeit als Sprachentrainerin weiter aus, gab mein Wissen auch in Fortbildungen an Kolleg*innen weiter und begann mich für Fachsprache zu interessieren. Zugleich boten sich immer mehr technologische Möglichkeiten, den Unterricht medial zu ergänzen, und so führte mich meine Neugier zurück an die Universität.

Zweitstudium: M.Sc. Wirtschaftsinformatik
Universitäten Duisburg-Essen und Bamberg

Um mich in diesem Studiengang auf mein Ziel, den Themenkomplex E-Learning stürzen zu können, durfte ich mich zunächst mit allen notwendigen Grundlagen befassen – von Rechnerarchitektur über Modellierung und Programmierung bis hin zu betriebswirtschaftlichen Themen wie Rechnungswesen und Controlling. Letzteres brachte mir erste graue Haare, ging dann aber doch recht gut aus. Zu guter Letzt konnte ich bei dem Versuch, gleich drei Themenbereiche unter einen Hut zu bekommen, meine grauen Zellen ordentlich fordern: In meiner Masterarbeit versuchte ich mich an einem Referenzmodell für interkulturelle Kommunikation in global verteilten E-Learning-Szenarien. Ich habe ja schon immer gerne interdisziplinär gearbeitet.

Die andere Seite: Lehrkraft für besondere Aufgaben
Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften

Mit dem frisch länger gewordenen Buchstabensalat hinter meinem Namen bekam ich die Chance, als Lehrkraft für besondere Aufgaben ein Blended Learning Programm für fachspezifisches Englisch aufzubauen und zu unterrichten. Wenn ich meine Freizeit nicht gerade mit der Erkundung des Hochschulsportprogramms verbrachte, besuchte ich Weiterbildungen zur Hochschuldidaktik, was mir nochmal spannende neue Perspektiven auf das Lernen und Lehren bescherte.

Die Lücke im Lebenslauf, die keine ist
Eine Reihenhaussiedlung in Düsseldorf

Dann bekam ich Zwillinge. Da gibt es nichts schönzureden: Die ersten drei Jahre mit oft nicht mehr als zwei Stunden Schlaf pro Nacht zwangen mich zu einer beruflichen Pause. Und die berufliche Pause führte mich für eine Weile in ein tiefes depressives Tal. Vom kalten Boden meines persönlichen Grundgesteins sah es so aus, als würde ich nie wieder an vergangenen guten Zeiten anknüpfen können. (Soviel Pathos sei an dieser Stelle gestattet.)

Doch mit beherzter Unterstützung fand ich schließlich wieder fruchtbaren Boden: meine alte Neugier und Motivation waren gar nicht verschwunden. Irgendwann begann ich wieder, nebenher freiberuflich zu unterrichten. Im Paket mit Familie und Umfeld fühlte sich das manchmal so an, als würde ich mit Kettensägen, einer brennenden Kerze und einem ganzen Wurf junger Katzen jonglieren (das gute Geschirr hatte es ja schon hinter sich). Aber das Mehr an Aufgaben gab mir paradoxerweise auch mehr Energie, denn ich konnte ja endlich wieder ich sein. Selbstwirksamkeit ist ein mächtiges Elixier.

Besonders gerne erinnere ich mich an Workshops in einem Projekt für Akademiker*innen mit Migrationsbiografie, deren Anerkennung ihres Hochschulabschlusses an deutscher Bürokratie scheiterte, und die mit großem Engagement die „fehlenden“ Inhalte nacharbeiteten. Oder auch an einen Englischkurs für Professor*innen an einer Fachhochschule, die den Kurs mit einem bunten Mosaik ihrer jeweiligen Fachgebiete ausgestalteten. Ganz oft geben Kursteilnehmer*innen ja genauso viel zurück, wie man ihnen als Trainer*in mitgibt. Interkulturelle Kompetenz war nur eines der vielen Themen, in die ich in diesen Kontexten noch tiefer eintauchen konnte – theoretisch und praktisch.

Neue Perspektiven: DCV-zertifizierte Ausbildung in systemischem Coaching
Change Concepts, Bonn

Die Pandemie brachte uns allen viele verschiedene Dinge: große persönliche Verluste, berufliche und finanzielle Einschnitte, Angst, Einsamkeit. Mir persönlich brachte sie auch etwas Gutes: Zeit zum Innehalten und für eine Neuausrichtung. Nachdem mir Aufträge abgesagt wurden, weil ich als Mutter von schulpflichtigen Kindern plötzlich nebenbei zur Homeschooling-Trainerin für Grundschul-Fächer werden musste und um die Möglichkeit bat, meine gebuchten Kurse per Videokonferenz durchführen zu können (O-Ton: „Das geht nicht. Da nehmen wir dann lieber jemanden ohne Kinder.“), ließ ich mich schließlich auf die Auszeit ein und begann, all meine alten Träume und Ideen neu zu betrachten, die ich auf meinem bisherigen Weg zurückgelassen hatte. Wollte ich noch einen dritten Anlauf starten, zu promovieren? Oder vielleicht lieber einen Job suchen, in dem ich mich mehr mit der technischen Seite von E-Learning befassen konnte? Meine Wahl fiel sehr leicht auf etwas, das meine berufliche Erfahrung als Trainerin mit meiner persönlichen Entwicklung verband. In einer sehr intensiven und auch persönlich sehr bewegenden einjährigen Ausbildung in systemischem Coaching stellte ich meine Welt auf den Kopf, betrachtete mich selbst und mein Umfeld von vielen neuen Perspektiven aus und lernte Fragen zu stellen, wie ich sie noch nie gestellt hatte.

Etappenziel im Drittstudium: Zertifikat Psychologie – Soziale Prozesse, Diversität und Intervention
Fernuniversität in Hagen

Wo neue Fragen sind, fühlt sich mein größter innerer Antreiber, der Wissensdurst, sehr wohl. Und so habe ich im Sommersemester 2025 das Zertifikat Soziale Prozesse, Diversität und Intervention im Rahmen meines Bachelorstudiums der Psychologie abgeschlossen. Neben den inhaltlichen und methodischen Grundlagen der Psychologie konnte ich in die Sozialpsychologie und Community Psychology eintauchen. Was passiert eigentlich, wenn Menschen interagieren? Innerhalb der einzelnen Person, zwischen einzelnen Personen, innerhalb von Gruppen und Communities und zwischen verschiedenen Gruppen und Communities? Welche Effekte haben Stereotypisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung einerseits und Gruppenzugehörigkeit und Empowerment andererseits? Und vor allem: Was können wir tun, um Systeme sozial gerecht zu gestalten und psychosoziales Wohlbefinden zu fördern? Plötzlich füllte sich mein bisheriges Wissens- und Erfahrungspuzzle mit ganz neuen Elementen.

Und nun tauche ich auf dem Weg zu noch mehr Buchstaben hinter meinem Namen in die vielfältigen weiteren Bereiche der Psychologie ein. Weil es mich immer noch brennend interessiert, wie dieses seltsame Ding zwischen unseren Ohren funktioniert – und je mehr ich darüber lerne, desto klarer wird mir, wie wenig wir eigentlich bisher darüber wissen. Vor allem, weil es nicht nur der einzelne graue Klumpen ist, der uns als Menschen ausmacht, sondern das Zusammenspiel vieler verschiedener Köpfe.

Aber auch, weil jedes einzelne neue Puzzleteil mir als Trainerin und Coachin hilft, meine Klient*innen bei ihrer Lösungsfindung bestmöglich zu unterstützen. Und so freue ich mich, immer weiter Neues zu lernen und mich beständig weiterzuentwickeln – in der Wissenschaft, in der Betrachtung meiner eigenen Erfahrungen und im Austausch mit anderen Menschen.